Axel Ruwe

Die Porsche-Diesel-Story, oder: Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum !

 

Teil 1 - Teil 2 - Teil 3

Die Porsche-Diesel-Story, oder: Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum !  - Teil 1

 

Bevor ich meinen Schlepper und die Restaurationsberichte vorstelle, möchte ich ein paar Worte zu meiner Person schreiben. Mein Name ist Axel Ruwe, 31 Jahre alt, gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt. Meine Brötchen verdiene ich im Porsche Zentrum Paderborn mit dem Verkauf der so faszinierenden Sportwagen. Mein Lebensmotto lautet "Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum!" Schon früh in meinem Leben kam ich mit Traktoren in Berührung - auf dem Foto ein MB-Trac im Jahr 1973 -, woran meine Eltern nicht ganz unschuldig waren. Sie ließen keine Gelegenheit aus, mich auf einen Trecker zu setzen.

Und so wuchs der Traum in mir, eines Tages einen eigenen Schlepper zu besitzen. Natürlich nicht irgendeinen! Ein Porsche-Diesel aus der Feder des genialen Ferdinand Porsche sollte es sein.

Und so las ich an einem kalten Jannuarmorgen einmal wieder die Kleinanzeigen im "Landwirtschaftlichen Wochenblatt" (kleiner Tip von mir - Schnäppchen möglich!) und fand ihn:

 

"Porsche-Diesel Standard, Bj. 58, komplett, Motor läuft nicht, mit Brief abzugeben"

 

Da ich Zeit hatte, kein Schnee lag und meine Stimmung euphorisch und dynamisch war, schwang ich mich in meinen 230 GE, lieh mir den PKW-Transporter einer befreundeten KFZ-Werkstatt und machte mich auf ins westliche Münsterland nach Heeg, Landkreis Ahaus. Dort wurde mein gutes Stück am 13. Mai 1985 zugelassen. Mit dem Verkäufer konnte ich mich schnell einigen, einige bunte Scheine hier, Schlepper und Brief (1.Hand!) da, wechselten die Eigentümer.

Verladung und Transport stellten kein Problem dar, mein 230 GE kam mit der Fuhre gut zurecht.

Zuhause angekommen wurde ein erster "Schlachtplan" aufgestellt, um die nächsten Arbeitsschritte zu strukturieren. Dieser lautete: Dach und Überrollbügel runter, Blechteile (Kotflügel, Haube) abschrauben, herausfinden, warum das Ding nicht läuft.

Spätestens jetzt möchte ich meinen Vater ganz ausdrücklich erwähnen, der mir mit 40 jähriger Erfahrung als KFZ-Meister für Landmaschienen und Nutzfahrzeuge mehr als nur zur Seite stand und steht. Seine Ratschläge wie zum Beispiel zum Lösen dieser so fies festsitzenden Schrauben und Muttern beim "Strippen" des Treckers sind Gold wert. Nachdem eine passende Batterie besorgt war, konnten wir uns daran machen, dem Porsche ein neues Leben einzuhauchen. Fazit nach den ersten Kurbelwellenumdrehungen: 1. Anlasser o.k., 2. Motor dreht, 3. An den Einspritzdrüsen kommt kein Diesel an. So sehr wir uns aber uber 1. und 2. freuten, 3. bescherte uns ratlosigkeit, da Tank, Filter und Zuleitungen bereits gereinigt wurden.

Eine defekte Einspritzpumpe wäre das absolute Desaster gewesen. Nachdem diese abmontiert wurde, konnten wir keine Beschädigung feststellen. Pumpenkolben und Rollenstößel saßen jedoch bombenfest, aha!

Über 40 Jahre schlechter Diesel bei null Wartung hatten das Aggregat völlig verharzen lassen. Aber auch hier wusste mein Vater Rat: die Pumpe wanderte in ein Benzinbad und wurde von Zeit zu Zeit mittels Balistol (Waffenreiniger!) Und leichten Schlägen zum "Lockern" aufgefordert. Die Zwischenzeit konnte ich unter anderem damit verbringen, den schönen Armaturenträger aus Aluminium-Riffelblech (typisch Porsche!) mit Zahnbürste und Chrompaste vorsichtig zu reinigen.

vorher <--------> nachher

Schließlich konnten wir die Einspritzpumpe tatsächlich wieder gängig machen und wieder einbauen. Ein paar Kurbelumdrehungen -viel Qualm- der Porsche lief!!!

Nach oben

Die Porsche-Diesel-Story, oder: Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum ! - Teil 2

 

So, auf zur zweiten Runde. Nachdem ich nun sicher war, daß technisch Alles in Ordnung ist, konnte der Traktor in die "kosmetische Abteilung" überführt werden. Im ersten Schritt wurden sämtliche Blechteile abgeschraubt, was sich manchmal als sehr mühselig erwies. Im Laufe der Jahrzehnte wurde so manche innige Bindung eingegangen. Alle größeren Teile wurden sogleich zum Sandstrahlen gebracht, die kleineren wurden,selbst bearbeitet.

Die hinteren Kotflügel und die Motorhaube waren von der Substanz her gut, wurden jedoch in Fachbetrieben wieder hergestellt

Die gereinigten Teile hängte ich wie Wäsche an die Leine, sodaß der Spezial- Grundierfüller optimal aufgebracht werden konnte. Den Rädern brachte ich besondere Sorgfalt entgegen; es heißt ja schließlich auch, daß die "Schuhe" die Visitenkarte des Mannes seien im übertragenen Sinne!. Neue Reifen waren also beschlossene Sache. An den Hinterrädern löste ich die Felgensterne vom Bett, anschließend wurde Alles sandgestrahlt, grundiert und selbstverständlich im Original-Farbton lackiert. Das Foto 5 zeigt die fertigen Felgen auf dem Weg zum Reifenhändler. Ich habe mich vorn für einen Continental, hinten für einen Reifen der Marke Stomil entschieden, die neben einen sehr günstigen Preis auch ein authentisches Profil aufweisen. Foto6 zeigt den Schlepper mit "neuen Schuhen" im Ergebnis und Optik optimal!

Das nächste "Großprojekt" stellte die Vorderachse dar. Da diese total verdreckt und verrostet war, sind zahlreiche Stunden in die Wiederherstellung geflossen. Die Rollenkugellager wurden gründlich gereinigt und gefettet;

die verstellbare Portalachse in ihrer Funktion wieder gängig gemacht. Wer weiß, ob diese Achse serienmäßig verbaut wurde - ich habe da Zweifel.

Stück für Stück nahm ich mir jetzt im immer gleichen Rythmus vor: ausbauen, entrosten, grundieren und wieder einbauen. Dabei konnte ich feststellen, daß auch die Lichtmaschine voll funktionsfähig ist.

Nachdem das Zugmaul und die Streben für die Hydraulikaufnahmen wieder montiert waren, kann man schon einen schönen "Vorher Nachher Effekt feststellen.

Inzwischen sind alle am Schlepper fest verbauten Teile gereinigt und entrostet worden. Die Motorhaube ist auch schon wieder da, sodaß sich am Ende des zweiten Teils das folgende Bild ergibt:

 

 

 

 

 

 

Ich hoffe, möglichst bald über die Lackierung berichten zu können, diese soll noch im Oktober erfolgen! heißt es so schön: Schaun mer mal.

Nach oben

Die Porsche-Diesel-Story, oder: Träume nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum ! - Teil 3

 

So, jetzt wird es aber Zeit für die Fortsetzung des Berichtes. Ich möchte nicht, dass jemand glaubt, es ginge nicht voran. Schrieb ich doch zum Ende des zweiten Teils, dass ich im Oktober mit der Lackierung beginnen wollte – ich habe mein Ziel "Oktober" geschafft, leider 2002, nicht 2001. Es gab ja noch so viel zu tun! Und das Leben besteht ja nicht nur aus Traktorrestauration allein. Nach der gründlichen Reinigung, Entlackung- und fettung kam mir die knifflige Aufgabe der Grundierung des Korpus zu. Nachdem die Werkstatt gründlich mit Malerfolie abgedeckt war, konnte der gesamte Rumpf in freundlichem grau-weiß grundiert werden. (Foto) Vor dieser Farbschlacht hätte ich mir lieber das Kupplungspedal ansehen sollen: Es ließ sich auch mit größtem Kraftaufwand nicht bewegen. Es blieb also nichts anderes übrig, als den Motor vom Getriebe zu trennen um an die Kupplung zu gelangen. Hier war ich wieder sehr für die Mithilfe meines Vaters dankbar – ohne ihn wäre mir das gesamte Werk wohl auf die Füße gefallen!

Erstaunt war ich darüber, dass Kupplungsscheibe und Ausrücklager problemlos beim Sachs-Großhändler zu beschaffen waren. Der anschließende Zusammenbau erwies sich als echte Geduldsprobe; ich bin aber froh, die Arbeiten gemacht zu haben. (Fotos Kupplung)

Viel, viel Zeit nahmen auch die sog. Kleinteile in Anspruch wie z.B. die Demontage und Restaurierung der Scheinwerfer

 

 

 

 

 

oder die Beschaffung und der Zuschnitt des Holzes (Esche!) für die Beifahrersitzbank.

 

 

 

 

 

 

Mit der Nagelschere wurden abends vor dem Fernseher neue Papierdichtungen angefertigt.

Dann – endlich! – konnte ich zartes Rot an meinem Standard entdecken. Bei der Lackierung wagte ich mich aber nur an Kleinteile, die Frontgewichte und den Tank heran. Für die Ausführung der Ganzlackierung entschied ich mich für eine erfahrene Lackiererei, die sich im Vorfeld schon der Kotflügel angenommen hatte. Die Arbeiten konnten im August 2002 durchgeführt werden und, wie die Fotos zeigen, kann man mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.

Die neue Herausforderung heißt nun "Elektrik". Diese ist zwar übersichtlich und einfach gestaltet, wird einem Laien doch sicherlich viel Kopfzerbrechen bereiten. Darüber möchte ich aber in einem vierten Teil berichten, der hoffentlich mit einer ersten Ausfahrt abschließt – ich bin sehr gespannt! Bis dahin freue ich mich über Ihre/Eure E-Mails unter axel.ruwe@volkswagen.de.

Nach oben

Info
PORSCHE-DIESEL Club Europa e.V.

Edisonstraße 25a
D-28357 Bremen / Horn-Lehe

Tel.: +49 421 27 81 98 19
Fax.: +49 421 27 81 98 29

Druckansicht Druckansicht