Bericht Niederfinow 2010





Die erste Ausfahrt des Stammtischs Berlin-Brandenburg vom 16. bis 18. April 2010 ist mehr als nur einen Zeitungsartikel wert! 

 

Die Latte liegt hoch, wenn ein Stammtisch, der vergleichsweise wenig aktive Mitglieder und bisher kaum organisatorische Erfahrungen hat, eine Ausfahrt veranstalten will, die das bei Schleppertreffen heute übliche Niveau erreichen soll.

 

Vorfrau Elke und ihre Stellvertreterin Astrid haben sich im Winter 2009/2010 genau dieses Ziel gesetzt: Gut zwei Jahre nach Gründung des Stammtischs Berlin-Brandenburg ein regionales Treffen durchzuführen, das gehobenen Ansprüchen genügt.

 

Als Ziel wurde das landschaftlich reizvolle Gebiet um Niederfinow gewählt, wo die Hochfläche des Barnim steil in die Auenlandschaft des Odertals abfällt.

 

Dort wo das Flüßchen Finow sich einst vom Barnim wild zur Oder hinunter schlängelte, haben schon die Hohenzollern vor über dreihundert Jahren begonnen, für ihre Residenzstädte Berlin und Potsdam einen schiffbaren Wasserweg zur Ostsee zu schaffen - mit Erfolg. Der alte Finow-Kanal, den sie erbauen liessen und der immer noch befahrbar gehalten wird, ist heute ein verwilderter romantischer Wasserweg für Wassersportler.

 

Der heutige Ost-West-Güterverkehr verläuft dagegen längst parallel über einen modernen Groß-Schifffahrtsweg mit dem Schiffshebewerk Niederfinow, ein "Aufzug", mit dem Schiffe über eine Höhendifferenz von 36 Metern hinauf bzw. hinunter gebracht werden. Seit 76 Jahren ist dieses Meisterwerk moderner Technik ohne nennenswerte Probleme in Betrieb. Natürlich ist es ein touristischer Anziehungspunkt.

 

Die meisten Porsche-Diesel-Freunde reisten am Freitag an, die Traktoren auf dem Trailer oder auch auf eigener Achse. Quartier war das kleine Hotel "Am Schiffshebewerk" in Niederfinow, an dessen Hinterseite sich ein idealer Rasenplatz befindet, um die roten Traktoren gut geschützt aufzustellen.

 

Der Ankunftsabend wurde im nahegelegenen Lokal "Holzmichel" verbracht. Es gab deftige brandenburgische Hausmannskost und viel Spaß, da sich der Wirt als ausdauernder Witzeerzähler erwies.

 

Am Sonnabendmorgen lachte die Sonne in den Frühstücksraum und zügig ging es hinaus zu den Traktoren. Doch die mußten sich noch lange gedulden.

 

Zuerst ging es unter sachkundiger Führung zum Schiffshebewerk. Der Fremdenführer war kompetent und engagiert, denn er hat "sein Leben lang" beim Hebewerk gearbeitet. Im Besucher-Pavillon theoretisch auf das Beste vorbereitet, erklommen wir dann den Serpentinenweg, der sich von der Basis des Bauwerks zur oberen Plattform hinaufzieht, wo der Oder-Havel-Kanal über eine Stahlbrücke bis zum Hebewerk herangeführt wird. Ungläubiges Erstaunen, daß so etwas funktionieren kann. Unser Fremdenführer war in seinem Element und wollte jedes Detail des Wunderwerks erklären. Von der Brüstung 36 Meter über dem Oder-Niveau konnten wir den weiten Ausblick bis zu den Hügelketten östlich der Oder genießen, dort, wo heute Polen geginnt. Anschließend gab es im Schiffergasthaus eine kräftige Kartoffelsuppe und so gestärkt, konnte es weitergehen. 

 

Endlich sollte geschehen, weshalb man sich hier getroffen hatte: Porsche-Diesel fahren! Die Schlepper wurden angelassen und eine rote Schlange setzte sich knatternd in Bewegung. Zunächst die schmale Straße unter dem Schiffshebewerk hindurch, dann vorbei an der Großbaustelle, wo in den kommenden Jahren ein noch leistungsfähigerer Neubau in Betrieb gehen wird. Über die Landstraße weiter durch das schöne Dorf Liepe in Richtung Oderberg, rechterhand der flußartige Verbindungskanal zur Oder, linkerhand die bewaldeten Höhenzüge des Barnim.

 

Nachmittags nahmen die Traktoren Aufstellung im weiten Innenhof des Landhofs Liepe, einem Komplex mit teilweise schön restaurierten Backsteingebäuden, einst das Gut der königlichen Oberförsterei, heute ein "Erlebnishof" und eine sozial-pädagogische Einrichtung. Ein Kuchenbuffet war für die Porsche-Diesel-Fans im Freien aufgebaut und bei prächtigem Sonnenschein ließen es sich alle gut gehen. Es war "Besuch" da: Lanz-Bulldogs! Die durch Elektrostarter verwöhnten Porsche-Fahrer erlebten staunend die umständliche Prozedur des Brenner-Anheizens, des bullernden Vorglühens und des kräftezehrenden Anwerfens der Stahlkolosse, die diese als schnelle Fluchtfahrzeuge ungeeignet macht.

 

Auch das Abendprogramm fand auf dem Landhof Liepe statt. Der Gastraum war nett für uns gedeckt und ein reichliches Buffet war hergerichtet, von dem insbesondere die Wildspezialitäten vielen in guter Erinnerung sind. Nach dem Essen erfuhren die Teilnehmer interessante Hintergründe über die Einrichtung. Hier wird jugendlichen Straffälligen die Chance gegeben, sich auf ein konfliktfreieres späteres Leben vorzubereiten. Die Club-Kameraden Astrid und Wolfgang, die ganz in der Nähe ein eigenes Anwesen bewirtschaften, engagieren sich sehr für dieses Projekt.

 

Die Stimmung war viel zu gut, um nach der Rückkehr ins Hotel gleich ins Bett zu gehen. Der harte Kern harrte so lange beim "Absacker" aus, bis das Personal den Nachschub diplomatisch abschnitt.

 

Am Sonntag luden Astrid und Wolfgang die Schlepperfreunde auf ihr Anwesen bei Liepe ein. Jede freie Minute, die ihnen ihre Berliner Kanzlei irgendwie ermöglicht, verbringen sie hier auf dem Lande. Der Hausherr ist passionierter Jäger und setzt seine drei Porsche-Traktoren intensiv bei der Arbeit im Revier ein.

 

Von dort aus machten sich schliesslich die roten Schlepper und ihre Fahrer zufrieden an die Heimreise.

 

Insgesamt war dies eine sehr gelungene Veranstaltung:

Eine schöne und abwechslungsreiche Landschaft bei schönstem Frühlingswetter, interessante touristische Höhepunkte und vor allem eine prächtige Stimmung bei allen Teilnehmern. Deshalb gilt den Organisatoren und allen Helfern großer Dank. Also, bitte, weiter so!

 

Bericht: Nietruch

 

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