Bericht Elbtal-Auen 2012

____________________________

Die Region Berlin-Brandenburg wird aktiv:

Frühjahrsausfahrt 2012 in die Elbtal-Auen und das „griese Land“

 

Die Geschichte begann im September 2011 in Zell am See: Mit Gesichtern, die von der Hochgebirgssonne frisch gerötet waren, saßen die „Berlin-Brandenburger“ nach der Rückkehr von der Großglockner-Hochalpenstraße abends auf dem Schüttgut mit Schlepperfreunden aus dem Mecklenburgischen zusammen. Die Begeisterung über das großartige Erlebnis in der hochalpinen Landschaft mündete in dem Entschluß, das Clubleben künftig aktiv mitzugestalten und im kommenden Jahr eine gemeinsame regionale Ausfahrt zu veranstalten.

Das Zielgebiet war schnell ausgemacht: Es sollte das Dreiländereck zwischen Brandenburg, Mecklenburg und Niedersachsen mit der malerischen Residenzstadt Ludwigslust sein. Diese Gegend wird - angeblich wegen der hellgrauen Ackerböden - auch als „grieses Land“ bezeichnet. Hintergrund dieser Ortswahl war die Überlegung, daß damit auch Porsche-Diesel-Freunde aus Mecklenburg und Clubkameraden aus dem benachbarten Niedersachsen und Hamburg für die Teilnahme gewonnen werden könnten.

Schwieriger war es schon, dafür einen geeigneten Zeitpunkt zu finden: Denn während der gesamten Treckersaison 2012 waren von Mai bis September bereits etliche Treffen und Ausfahrten angekündigt. Weil darauf Rücksicht genommen werden sollte, blieb eigentlich nur noch das zeitige Frühjahr übrig. Sicherlich ein erhebliches Risiko, was die Witterung betrifft. Trotz derartiger Bedenken wurde das dritte Aprilwochenende, der 21. bis 22. April, als Termin gewählt.

Im Winter hatten die Organisatoren aus Berlin und aus Ludwigslust-Glaisin dann genügend Zeit, die Gegend abzufahren und diverse Routenvarianten auszuprobieren. Dabei waren die Ortskenntnisse und das Engagement der mecklenburgischen Clubkameraden für die Berliner Organisatoren sehr hilfreich.

Mit der „Alten Fischerkate“ im Weiler Mödlich wurde ein nahezu idealer Standort für die Veranstaltung gefunden. Der reetgedeckte Gebäudekomplex duckt sich direkt unter den Elbdeich und steht weitab von größeren Ortschaften gerade noch auf brandenburgischem Gebiet. Das kleine romantische Hotel wurde vor einigen Jahren von einer jungen Gastronomenfamilie liebevoll restauriert und modernisiert. Es verfügt über ein gemütliches Restaurant mit einer ambitionierten, aber nicht abgehobenen Küche und über gerade so viele Zimmer, wie für ein regionales Schleppertreffen benötigt werden. Die Besitzer waren von der geplanten Veranstaltung sofort sehr angetan und sicherten ihre volle Unterstützung zu.

Ausschreibung und Bekanntmachung der Ausfahrt erfolgten frühzeitig über Mail und auf der neuen Regionalseite der PDCE-Homepage. Die Resonanz bei den Mitgliedern des Stammtischs Berlin-Brandenburg war erfreulich hoch, die erhofften Meldungen aus dem Mecklenburgischen und dem nahen Niedersachsen blieben aber gänzlich aus. Dafür sagten sich gute Freunde vom fernen Niederrhein an! Derart motiviert nahm das Organisationsteam die letzten Details in Angriff und präsentierte schließlich ein recht respektables Pogramm.

Wie immer steht die Wetterfrage im Mittelpunkt des Interesses, je näher eine Veranstaltung heranrückt. Die Prognosen waren nicht unbedingt berauschend, die Organisatoren grübelten bereits über Alternativlösungen. Mancher bereute vielleicht schon seine Zusage?

Am Freitagnachmittag rollten die Trailer mit den Traktoren aus Berlin und dem zentralen Brandenburg in den abgelegensten Winkel des Landes, die Prignitz. Am Abend war die Zufahrt zur historischen Fischerkate am Mödlicher Elbdeich mit karminroten Traktoren gefüllt. Im urigen Gastraum war für die Schlepperfreunde eine große Tafel gedeckt und der Küchenchef erfüllte mit seinem netten Team alle Wünsche perfekt.

Am Sonnabendfrüh lacht die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, als sich die Schlepperfahrer zur ersten Ausfahrt sammeln, die in die Mecklenburg-Schweriner Residenz Ludwigslust führen soll.

Anfänglich geht es durch das flache Marschland der brandenburgischen Elbtal-Auen. Am Flüßchen Löcknitz wird die Grenze zum Land Mecklenburg passiert. In den Trockenrasenwiesen von Klein Schmölen, wo sich die Porsche-Schlepper "off road" bewegen können, erwartet die Traktorfahrer eine geologische Besonderheit: Hier befinden sich die größten Binnen-Wanderdünen Europas. Im Laufe von Jahrtausenden hat der hier vorherrschende Westwind den Feinsand aus den Gletschermoränen der Eiszeit herausgeblasen und zu stattlichen gelbgrauen Dünen aufgetürmt.

Anschließend verläuft die Fahrt entlang der Elde nach Eldena. Der kleine Ort an der Müritz-Elde-Wasserstraße ist seit der „Wende“ ein wichtiger Stützpunkt für den Wassertourismus geworden. Der Betreiber des Bootshafens hat in seinen vor wenigen Tagen eröffneten Gasträumen für die von der frischen Luft hungrig gewordenen Schlepperfahrer Gegrilltes vorbereitet. Hier stärken sich alle für die nächste Etappe nach Ludwigslust.

In „Lulu“ dürfen die Traktoren mit behördlicher Sondergenehmigung direkt vor der Residenz parken. Das stattliche Schloß bietet einen prächtigen Hintergrund für die kleine, aber feine Parade der Porsche-Diesel. Das große Interesse an der instruktiven Führung durch die historischen Räume straft diejenigen Lügen, die behaupten, daß Traktorfahrer sich nur für die schnöde Technik begeistern würden.

Bis zum Beginn der Rückfahrt hat die Bewölkung leider stark zugenommen. Während einer Pause auf einer romantischen Waldlichtung erwischt ein kurzer Schauer die bislang trocken gebliebenen Porsche-Diesel-Freunde. Doch die Sonne kommt schnell wieder, so daß alle den Kaffee mit dem von Anette gebackenen Kuchen genießen können.

Die Hoffnung, daß der letzte Teil der Ausfahrt trocken verläuft, erweist sich jedoch als trügerisch: Wenige Kilometer vor Erreichen der Fischerkate geht ein kräftiger Schauer über das flache Marschland nieder. Der Wind weht eiskalt, aus Regen wird Hagel. Die letzten Kilometer bis zum rettenden Ziel fühlen sich endlos an.

Nach der Ankunft im Hotel sorgen heißes Duschen und trockene Kleidung schnell wieder für Wohlbefinden. Zügig füllen sich die Sitzplätze an der vorbereiteten Tafel im gemütlich-warmen Gastraum. Überraschend ist Harald Stegen gekommen und wird von allen herzlich begrüßt.

Bei der Tour am Sonntag wechseln die meisten Beifahrer vom Kotflügelsitz auf den bequemen Anhänger von Norbert, wo sie von einer einheimischen Fremdenführerin unterwegs interessante Dinge über Land und Leute erfahren.

Das erste Ziel ist die „Dorfrepublik Rüterberg“, ein kleines stolzes Dorf, das während der DDR-Ära mit seinen Einwohnern wie ein Gefängnis hermetisch in den Grenzanlagen eingeschlossen war. Jetzt kann man hier wieder bis an das Elbufer fahren. In der DDR-Zeit wäre dies ein schweres Verbrechen gewesen, sogar mit tödlichen Risiken verbunden.

Nach diesem Abstecher in die jüngere, unheilvolle Geschichte rollt der rote Konvoi zur Festung Dömitz, einer historischen Grenzbefestigungsanlage, die seit dem Dreißigjährigen Krieg in der Region eine Rolle spielte. Sie war lange Zeit Brandenburgs Bollwerk gegen feindliche deutsche Nachbarn und gegen viele fremde Truppen, die hier durchzogen. Heute ist die Feste ohne militärische Bedeutung, sondern nur noch eine Touristen-Attraktion. Aus den Kasematten und von den Wehrgängen der gut erhaltenen Anlage hat man weite Ausblicke auf das breite Band der Elbe und das grüne Vorland des Stroms.

Von Dömitz geht es - mit bangen Blicken zum dunklen Wolkenhimmel - zurück zur Fischerkate, wo zum Abschluß eine heiße Erbsensuppe wartet. Gut gestärkt werden dann die Taschen gepackt und die Traktoren transportklar für die Heimfahrt gemacht.

Teilnehmer und Organisatoren sind sich beim Abschied einig:

Wir machen so weiter!

____________________________________________________

 

 

 

Dieser Bericht von Frank Nietruch wurde in den PORSCHE-DIESEL News II/2012 veröffentlicht und hier am 25.02.2013 eingestellt. Foto: Frank Potröck

 

Fotos zu diesem Bericht?

Siehe "Fotoalbum" > "Grieses Land  und Elbtal-Auen 2012"

 

Wechseln zu einem anderen Bericht? Bitte den gewünschten Bericht im hellblauen Info-Feld rechts anklicken!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Info
PORSCHE-DIESEL Club Europa e.V.

Edisonstraße 25a
D-28357 Bremen / Horn-Lehe

Tel.: +49 421 27 81 98 19
Fax.: +49 421 27 81 98 29

Druckansicht Druckansicht