Sylt-Ausfahrt 2014

Der "Normalweg" nach Sylt, der "Insel der Schönen und Reichen", ist seit dem Jahr

1927 der Hindenburgdamm.  Über diese rund elf Kilometer lange Landverbindung betreibt die Deutsche Bahn die wahrscheinlich einträglichste Strecke ihres Netzes.

Der Werbe-Slogan der Reederei der Römö-Sylt-Fähre lautet: "Seeluft statt Zugluft".

Und in der Tat: Der etwas längere Weg über die dänische Insel Römö ist nicht nur

der preiswertere, sondern auch der schönere Weg, weil während der kurzen Über-

fahrt bereits Urlaubsstimmung aufkommt.

Das kleine Familien-Hotel "Haus Wagenknecht" ist ruhig am Rande von Westerland gelegen und steht uns für die nächsten Tage exklusiv zur Verfügung. Es erweist sich

als ideales Standquartier für ein Schlepper-Treffen.

Viele Porsche-Diesel-Freunde sind schon einen Tag früher gekommen, damit sich die aufwändige Anreise auch richtig lohnt. Die Organisatoren Andreas und Edith haben deshalb eine schöne Tour über das Marschland auf dem Ostteil der Insel vorbereitet.

Sein frisch restaurierter Traktor macht plötzlich keinen Muckser mehr. Ein erfahrener Schlepperfreund wie Hartmut lässt sich davon nicht unterkriegen: Mit Hilfe kundiger

Ratgeber findet er den Übeltäter, das völlig zugesetzte Ölsieb! Reinigen, einbauen

und er läuft wieder.

In dem sonst ruhigen Villenviertel Westerlands erschallt der Lärm startender Trecker.

Ein stattlicher Konvoi roter Porsche-Schlepper rollt langsam in Richtung Flughafen und Gewerbegebiet Tinnum.

An Einmündungen und Kreuzungen mit Hauptverkehrsstraßen zeigt Edith, Beifahrerin auf dem "Führungs-Traktor" von Andreas, ihre Managementfähigkeiten. Hier bewährt sich die langjährige Routine vieler gelungener Schlepper-Ausfahrten.

Die wenigen Landwirte auf der Insel sind heutzutage mit den modernsten Treckern

unterwegs. Neben diesen Monstern kommt sich mancher Porsche-Diesel-Freund mit seinem Schlepper doch äußerst klein vor.

Das sehr ruhige Dorf Keitum mit seinem dichten Baumbestand liegt an der Wattseite. Hier haben sich zur Blütezeit der friesischen Walfängerei die dabei reich gewordenen Kapitäne ihre schönen Reethäuser erbaut.

Hinter Keitum beginnt die weite grüne Marschlandschaft, durch die man auf den Feld-

wegen abseits des Autoverkehrs zu den schönen Bauerndörfern Archsum und Morsum gelangt, wenn man die Gegend so gut kennt wie Andreas.

Hinter dem Dorf bricht ein Geestrücken nach Norden mit einem Steilufer, dem Morsum-Kliff, zum Wattenmeer ab. Nach Osten senkt sich das Land von dort allmählich hinunter bis in die Salzwiesen des Watts, durch die der Hindenburgdamm zum Festland führt.

Der östlichste Punkt der Insel, die Nösse, ist erreicht. Ab hier hat nun der Landschafts-

schutz absoluten Vorrang und deshalb kehrt die Treckerkolonne an dieser Stelle selbst-

verständlich wieder auf Westkurs um.

In Morsum, gegenüber vom berühmten Konditor Jürgen Ingwersen, gibt's endlich eine wohlverdiente Pause. Viele holen sich beim Bäcker einen Kaffee, manche aber auch ein Stück von einer sahnehaltigen Kalorienbombe, der legendären Friesentorte. 

Die nächste Pause bei einem Öko-Bauern am Rande von Tinnum lässt nicht lange auf sich warten und diesmal bekommen dann alle ein Stück Kuchen und - mit viel Geduld - auch einen Kaffee.

Der Höhepunkt des Ausflugs kommt zum Schluß: Der spektakuläre Konvoi roter Trecker knattert zur Verblüffung der Touristen direkt durch das Zentrum von Westerland und über die Flaniermeile Friedrichstraße.

Am nächsten Morgen, am Freitag, dem 2. Mai, beginnt dann der "offizielle Teil" der Sylt-Ausfahrt: Deshalb hält Hartmut, der Vormann der Region Ostsee, eine kurze Ansprache und wünscht allen Teilnehmern schöne Tage auf der Insel.

Wir umfahren den verkehrsreichen Ortskern von Westerland über Tinnum zur L 24.

Auf dieser geht es durch Rantum und weiter südwärts entlang der endlosen grau-braunen Dünenketten in Richtung Hörnum. Gelegentliche Parkplatz-Stopps helfen,

dass der Autoverkehr nicht zu sehr behindert wird.

Der Leuchtturm von Hörnum markiert das Südende der Insel, von dem die Nordsee bei jedem Sturm große Stücke wegreisst. Von dem kleinen und geruhsamen Hafen gelangt man nach Amrum und zur Hallig Hooge.

Wegen der extrem langgestreckten Form der Insel gibt es nur eine Nord-Süd-Straße. Daher müssen wir auf der gleichen Route zurück nach Norden fahren. Dunkle Wolken sind inzwischen aufgezogen. Bange Frage: Ob das Wetter hält?

In Rantum biegt die Treckerkolonne nach rechts ab und hält beim Sansibar-Outlet im Gewerbegebiet. Einige nutzen die Zeit zum Kaffeetrinken, andere - meist weiblichen Geschlechts - stöbern in dem Shop nach hippen Klamotten.

Im Anschluss an den eher profanen Teil des Programms wartet zwischen Rantum und Tinnum ein romatisches Kleinod: Das einsam gelegene phantastisch-bizarre Refugium eines Sylter Autohändlers, die "Schlangenfarm", wo ein Kuchen-Buffet wartet.

Auf der Schlangenfarm wären wir gerne noch viel länger geblieben, doch leider geht

das nicht, weil es einen Presse-Termin vor dem Westerländer Rathaus gibt. Da sollen

wir Farbe bekennen, natürlich RAL 3002.

Im Hotel wartet ein kulinarischer Leckerbissen auf die hungrigen Schlepper-Freunde:

ein zartes Spanferkel mit knackiger Kruste. Und nach dem Essen erwähnt der junge Hotelier Kai beiläufig, dass es im Keller noch eine tolle maritime Bar gibt. Ja, holla!

Blauer Himmel am Samstagmorgen beim allgemeinen Start. Bei einem Schlepper gibt

es Probleme: Gestern war der Dieseltank leer, heute morgen ist's der Akku. Und am Nachmittag wird's noch einen Crash geben.

Um den Autos das Überholen zu erleichtern, fahren wir die Streckenabschnitte auf der Landstraße nach List in disziplinierten "Vierer-Blöcken". Im Nordteil der Insel gibt es die größten Wanderdünen der Insel, die die ersten Häuser schon erreicht haben.

Der kleine Hafen List ist heute "Gosch-Land". Von hier hat der ehemalige Aal-Verkäufer umtriebig sein Fisch-Imperium auf der Insel und in vielen Metropolen der Welt errichtet.

Und das muss man ihm lassen: Es schmeckt nach wie vor gut.

Von List führt eine marode Nebenstraße zum einsamen Weststrand. An einer abgele-

genen Bus-Haltestelle hat dort das Sylter Original "Bambus Klaus" seinen Kiosk durch seine schrägen Mondscheinpartys zu einem Wahrzeichen gemacht.

Der Kult-Star ist 2012 verstorben, aber die Bar an der Bam-Bus-Haltestelle gibt es noch. Und eine Leiter ermöglicht dem Fotografen den Aufstieg auf das Dach, von dem Bambus Klaus einst seine Sylt-Schlager zum Besten gab.

Nach einem kurzen Abstecher zu dem beliebten "Café Kupferkanne" in Kampen geht

es anschließend zum Hafen von Munkmarsch, wo die Trecker auf der Mole Aufstellung nehmen. Den Kuchen bekommen die Porsche-Diesel-Freunde im Yachtclub-Restaurant.

Die Rückfahrt ins Hotel führt über Keitum und Tinnum und Majas Wunsch wird erfüllt:

Sie möchte doch so gerne die schönen roten Traktoren vor einem leuchtend gelben Rapsfeld fotografieren.

Auf die Porsche-Diesel-Freunde, die noch einen Tag länger bleiben, wartet eine tolle Überraschung: Es geht mit den Schleppern auf der sonst für private Kraftfahrzeuge gesperrten Strand-Zufahrt direkt zum berühmt-berüchtigten Szene-Lokal "Sansibar".

Doch irgendwann ist jeder Urlaub zu Ende. Der Wohnwagen "Lore" rollt in Richtung Heimat und es heißt wieder einmal Abschied nehmen von guten Freunden:

"far well" - bis zum nächsten Mal!

                                        Fotos: Nietruch (C) u. Hülshorst - 7. Juli 2014

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