3. Workshop "Kolbenringe und Ventile"

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Der Stammtisch Niederrhein hatte sich für das Jahr 2004 noch einen Sonderlehrgang vorgenommen. Unser Vormann, Karl-Heinz Grins hatte das Thema ‚Kolbenringe, Kontrolle bzw. Austausch’ vorgeschlagen und am 14.08.04 zum Workshop eingeladen. So waren denn auch zehn fleißige Schrauber dabei und widmeten sich dem Thema für Fortgeschrittene.

Heinrich Niederholz erklärt die Funktion der Kolbenringe

Rainer Wingenter hatte uns freundlicherweise seinen Junior zur Verfügung gestellt und so versammelte sich alles um unseren Technikwart Heinrich , der zunächst die grundsätzliche Funktion der Kolbenringe und deren Fehleranalyse erklärte. Sicher hat schon jeder bei seinem Porsche-Diesel oder dem eines anderen Treckerfreundes beobachtet, dass aus der Kurbelgehäuseentlüftung mehr oder weniger Dampf bzw. Abgase entweichen. Dies kann schon ein Hinweis darauf sein, dass hier etwas mit den Kolbenringen, Kolben oder Zylinder nicht in Ordnung ist. Die Kolbenringe sollen ja den Kolben gegen die Zylinderwände abdichten und dies gelingt nur, wenn die Kolbenringe sauber an den Zylinderwänden anliegen. Ein schlechter Kompressionsdruck gibt also auch Hinweise in diese Richtung.

Blick auf die Kipphebelwelle mit bereits abgenommen Kipphebeln

Dann ging es nach den Erklärungen zur Tat. Als erstes bauten wir die Luftfilter, Luftleitbleche und Auspuff ab, dann folgen Dieselleitung und Thermofühler. Nun konnten wir den Ventildeckel abnehmen und die Kipphebel ausbauen, da diese bei der Demontage des Zylinderkopfes im Wege sind

Anschließend ging es an die Zylinderkopfschrauben, die wir, nach Anweisung, über kreuz lösten und schließlich den Zylinderkopf abhoben.

 

Jetzt bot sich den Porsche-Diesel-Freunden ein Einblick, den sie auch nicht alle Tage haben. Der Zylinder, mit dem sich darin befindenden Kolben lag nun vor uns.

Zur Messung des Kolbenspiels wurde eine gerade Stahlplatte aufgelegt

Dies gab unseren Technikwart die Gelegenheit, gleich mal das Spiel zwischen Kolben und Oberkante des Zylinders zu messen. Hierbei erklärte Heinrich , dass dieses Spiel beim Porsche ca. 1 mm betragen muss um den richtigen Kompressionsdruck zu erreichen.

Der Zylinder ist entfernt und der Kolben liegt nun frei.

Als nächstes wurde der nun lose Zylinder abgehoben, und der Kolben war frei gelegt. Nachdem wir das OP-Feld abgedeckt hatten, konnten wir an die Entfernung der Kolbenringe gehen.

Das Abheben der Kolbenringe will gelernt sein

Hierzu hatte uns Heinrich eine Kolbenringzange mitgebracht. Dieses Spezialwerkzeug fasst den Kolbenring und drückt ihn ein wenig auseinander, sodass er nach oben abgehoben werden kann. Hierbei muss man das richtige Gefühl und Erfahrung haben, damit man die Kolbenringe nicht zerstört.

Nachdem wir den ersten Kolbenring abgenommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass wir es hier mit einem Kolben und Kolbenringen mit Übermaß handelte. Das war auch eine Überraschung für den Besitzer des Juniors. Da konnten Karl-Heinz die schönen neuen Kolbenringe in Standardausführung wieder einpacken und wir überlegten was zu tun ist.

 

So leicht lassen sich die Porsche-Diesel-Freunde nicht entmutigen. So entschlossen wir uns, doch mal nach den Ventilen zu schauen, da wir den Zylinderkopf gerade abgenommen hatten.

 

Hierzu ist es erforderlich, dass die Ventilfedern mit einem Werkzeug zusammen gedrückt werden und gleichzeitig mit einem Schraubendreher oder ähnlichem Werkzeug die Verriegelungskeile an den Ventilschäften heraus genommen werden.

 

Eine schweißtreibende Arbeit, die etwas Übung verlangt. Zum Glück waren es nur zwei Ventile die zu lösen waren und so war es schnell geschafft.

 

Jetzt konnten wir die Ventile aus den Führungen ziehen und einer Prüfung unterziehen. Hierbei zeigte sich, das an einem Ventil schon kleine Haarrisse im Randbereich zu sehen waren und so entschlossen wir uns, dank des gut sortierten Ersatzteillagers von unserem Vormann, gleich neue Ventile einzubauen.

Und immer schön drehen bei gleichmäßigen Druck

Dies ist aber leichter gesagt als getan, denn es ist hierzu notwendig, dass die neuen Ventile mittels Schleifpaste und Spezialwerkzeug in den Zylinderkopf, besser Ventilsitze, eingeschliffen werden. Die Ventile sollen schließlich dicht schließen, damit sich ein guter Kompressionsdruck aufbaut. Dieser Arbeit gab sich unser Mitglied Jürgen Eisenkopf sichtlich mit Hingabe hin, sodass nach ca. einer halben Stunde die Ventile eingeschliffen und wieder eingebaut waren.

Nach getaner Arbeit sind alle schon hungrig

Danach hatten wir zunächst alle Arbeiten erledigt, die wir ohne die passenden Kolbenringe erledigen konnten und freuten uns alle auf die bereits von Manfred auf dem Grill gelegten Würstchen und anderen Leckereien.

 

Bei Würstchen und Bier versprach unser Vormann, die passenden Kolbenringe zu besorgen und am nächsten Wochenende, dann in kleinerer Runde, einzubauen.

 

Dies lies die traurige Mine des Juniorbesitzers dann auch wieder freundlicher dreinschauen und so waren dann doch alle wieder zufrieden.

Da staunt der Fachmann, wieder tadellos im Zustand

Am nächsten Wochenende war es dann soweit, Karl-Heinz hatte die passenden Kolbenringe (96,5 mm) besorgt und in der Zwischenzeit den Zylinder und Zylinderkopf gereinigt, gestrahlt und Anschließend mit Farbe versehen, sodass nun die Teile wieder im Neuzustand vor uns lagen.

 

Der Zusammenbau ging dann auch leicht von der Hand und alle warteten auf den ersten Schnaufer den der nun überholte Juniormotor machte.

 

Der war dann auch ein voller Erfolg, der Motor lief wieder wie ‚einst im Mai’ wenn ich das mal im übertragenden Sinne so sagen darf und der Besitzer fuhr Stolz von dannen, aber nicht ohne unsere gemeinsame Arbeit zu loben und wir kamen nicht umhin, ihn an die schweißtreibende und staubige Arbeit zu erinnern (Kiste Bier !!!).

 

Pressewart des Stammtisch Niederrhein

 

Dr. Ing. Gerhard Braun