Potsdam 2015

Der Stammtisch rief alle Schlepperfreunde von nah und fern zur Sommerausfahrt nach Berlin.

In der Villenkolonie am Wannsee befindet sich eine Tagungseinrichtung, ein perfektes Standquartier für die Traktoren und die Teilnehmer. Direkt gegenüber steht die Restaurant-Terrasse eines Segel-Clubs den Angekommenen zur Erholung von der Reise zur Verfügung.

Von hier startet am Sonnabend-Morgen die erste Tour, die in die Schlösser- und Park-Landschaft von Potsdam mit ihrer wald- und seenreichen Umgebung führt.

Durch  die ruhige "Villenkolonie Alsen", in der sich Berliner Bankiers, Großindustrielle, erfolgreiche Künstler und das preußische Großbürgertum am Anfang des letzten Jahrhunderts an den Ufern des Wannsees ihre stattlichen Anwesen errichtet haben, knattert der Konvoi von zwanzig Porsche-Diesel-Schleppern mit deutlich wahrnehmbarem Motorenlärm.

Die sommerliche Hochdruck-Wetterlage erweist sich als sehr stabil und die Fahrer nebst Begleitung erwartet ein extrem heißer Tag. 

Auf der alten Reichsstraße 1, hier schon in den 1920-iger Jahren vierspurig ausgebaut, rollen die Trecker zur berühmt-berüchtigten "Glienicker Brücke". Auf der wurden während des Kalten Krieges einige Spione zwischen den verfeindeten Alliierten ausgetauscht.  Ursprünglich pendelte aber hier der preußische Hof zwischen seinen Residenzen in Berlin und Potsdam über eine vom Hofbaumeister Schinkel errichtete Steinbrücke, was die noch übrig gebliebenen Kolonnaden erahnen lassen. 

In Potsdam geht es zunächst durch die pittoreske Blockhaus-Siedlung Alexandrowka, die der preußische König Friedrich Wilhelm IV. für seine russischen Chorsänger errichten ließ. Deren Nachkommen leben hier heute noch in einer abgeschlossenen russischen Dorf-Idylle.

Am Lieblingsschloss von Friedrich dem Großen, Sanssouci, angekommen, flüchten sich die Schlepperfahrer wegen der bereits am Vormittag herrschenden Tropenhitze in den vergleichsweise angenehmen Schatten eines Biergartens am Schlosspark.

Nach der kurzen Erfrischungspause starten wir an der berühmten Windmühle von Sanssouci. Die Geschichte um den Müller von Sanssouci hat den guten Ruf von Friedrich dem Großen begründet: ein Souverän mit Sinn für Gerechtigkeit und offen auch für die Belange des "einfachen Mannes". Vom Volk wurde der König - nicht nur Kriegsherr, sondern auch Reformer, Musiker und Künstler - respektvoll der "Alte Fritz" genannt. Den imposanten Ehrenhof von Sanssouci lassen wir aus Zeitmangel links liegen.

 

Über die vom "Alten Fritz" für die heimische Seidenraupen-Zucht angelegte   Maulbeerallee, durchqueren wir den ausgedehnten Schlosspark, vorbei an der Orangerie und dem künstlichen "Ruinenberg" bis zum eindrucksvollen Neuen Palais. Dieses prunkvoll wirkende, aber mit künstlichem Marmor verkleidete Schloss ließ sich der sonst sparsame Friederich II. nach seinen Siegen über die österreichische Kaiserin Maria Theresia errichten, um seinen Status als ebenbürtiger europäischer Herrscher zu demonstrieren.  

Gleich hinter dem Schlosspark, am Kaiser-Bahnhof von Wilhelm II., schließt sich der Potsdamer Wildpark an, der dann fast nahtlos in die ausgedehnten Sumpf- und Auwaldlandschaften übergeht, die westlich der Stadt Potsdam bis an die Ufer der hier seenartig verbreiterten Unterhavel reichen. Über viele Kilometer geht es auf schmalen Alleen, einst künstlich im Sumpf errichtete Knüppeldämme, durch eine Urlandschaft, die man in der Nähe einer Großstadt nicht vermutet.

Am Ufer der Havel liegt das typisch märkische Dorf Geltow mit einer schönen Kirche, deren bunt glasierte Dachziegel etwas an den Wiener Stephansdom erinnern. Am gegenüber liegenden Havelufer - durch den Uferbewuchs ab und zu hindurchschimmernd - liegt die stolze Stadt Werder mit ihren uralten Ziegel-

dächern und ihren spitzen Kirchtürmen.

Werder, ursprünglich ein Fischerdorf, war und ist auch heute wieder Zentrum des branden-

burgischen Obstanbaus, ja sogar ein aufstrebendes Weinbaugebiet. 

Mit einer Treckerkolonne eine Tour durch städtische Gebiete zu unternehmen, bedarf guter Organisation. Ganz entscheidend dabei ist ein guter Scout, der alle kritischen Punkte und Streckenabschnitte genau kennt, und an diesen für eine sichere und zügige Durchfahrt sorgt, auch wenn er bei der Verkehrslenkung manchmal seine Befugnisse überschreitet. Unser Scout Alex hat an diesem Tag bei tropischer Hitze unter seinem Sturzhelm schweißgebadet einen Bombenjob gemacht. Ihm gilt großer Dank für diesen Einsatz. 

Die Seilfähre in Caputh muss oft pendeln, bis unser Schlepperkonvoi vollständig das Ostufer der Havel mit dem alten Fährhaus erreicht hat. Hier gibt es die verdiente Pause. In Caputh liegt inmitten eines alten Landschaftsparks das kleine Sommerschloss, in dem die brandenburgischen Kurfürstinnen im 16. und 17. Jahrhundert residierten. Der Ort ist auch stolz auf einen ehemaligen Bürger: Hier hat der Vater der Relativitäts-Theorie Albert Einstein ein eigenwilliges Haus erbaut, in dem er von 1929 bis 1933 wohnte, als er als noch nicht ganz so berühmt war. 

Im Fährhaus ist alles perfekt vorbereitet: Die Traktoren stehen auf dem für uns reservierten Restaurantparkplatz. Für Fahrer und Begleitung sind im Freien an schattigen Tischen schöne Plätze reserviert. Nicht zu unterschätzen bei der Mittagsglut. Das Essen kommt zügig und scheint allen zu schmecken. Man möchte hier noch lange bei den kühlen Getränken verweilenn, doch es gibt heute noch ein pralles Programm, das keinen sehr großen Verzug duldet.

 

Die Rückfahrt nach Potsdam verläuft an der Havel durch schattigen Laubwald. Am Haupt-

bahnhof erblickt man das nach dem Krieg abgerissene, aber jetzt wieder aufgebaute Potsdamer Stadtschloss. Anschließend durchqueren wir das dörfliche Babelsberger Weberviertel und den Park von Schloss Babelsberg. Von dort geht es vorbei am Jagdschloss Glienicke zum ehemaligen Fischerdorf Stolpe, dem heuten Berliner Villenvorort Wannsee, wo ein historisches Segelschiff auf uns wartet.

Die abendliche Schiffsrundfahrt auf der königlich-preußischen Fregatte "Royal Louise" führt zum Potsdamer Jungfernsee, an dessen Ufer gleich mehrere Schlösser stehen. Das Schiff legt nach der Tour bei einem Yacht-Club an, in dem für uns ein warm-kaltes Buffet vorbereitet ist. Von der Terrasse blickt man weit auf den See und die dunklen Kiefern des Grunewalds.

Im Biergarten des Gewerkschaftshauses klingt später der lange Sommerabend sehr fröhlich aus.

Am Sonntagmorgen steht Zeitgeschichte auf dem Plan: Am Rande der Villenkolonie am Wannsee hat Hermann Göring seine "Reichsluftschutzschule" errichtet. In einem gigantischen Hochbunker befand sich hier bis 1945 die Kommandozentrale seiner Luftabwehr. Diesen Betonklotz haben die Amerikaner im kalten Krieg in einen modernen Atombunker umbaut. Für derzeitige asymmetrische Kriege sinnlos, aber ein gruseliges Besichtigungsobjekt und heute schön kühl.

Der Grunewald ist unser Tagesziel. "Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion...", heißt es in einem Alt-Berliner Couplet.

Nein, wir brauchen heute kein Holz, bei der herrschenden Hitze muss nicht geheizt werden. Wir verlassen den Ortsteil Wannsee über die breite Königstraße, die B 1, die einst von hier bis nach Königsberg führte. Die Traktoren rollen wegen des dichten Sonntag-Ausflugsverkehrs in mehreren Pulks Richtung Havelchaussee.  

Die Havelchausse führt durch den Grunewald, in niedrigen Lagen durch Laub- und Mischwald, weiter oben auf den sandigen Moränenhügeln durch die landschaftstypischen märkischen Kiefern. Auf einer Anhöhe thront ein stolzer Backsteinbau, der Kaiser-Wilhelm-Turm. Einst von "dankbaren Teltower Bürgern" Kaiser Wilhelm I. gewidmet. Heute heißt er "politisch korrekt" Grunewaldturm und ist Endziel der Tagesfahrt. Von der Turmplattform hat man eine einmalige Aussicht auf die Silhouetten der Städte Berlin und Potsdam. 

In lockeren kleinen Grüppchen wird das Mittagessen im schattigen Gastgarten eingenommen. Die Traktoren sind in einem großen Halbkreis zu Füßen des Turms aufgestellt, sehr zum Erstaunen der vielen Ausflügler und Touristen. Nach der Mittagspause soll die Veranstaltung dann offiziell beendet werden, weil die Teilnehmer ganz unterschiedliche Pläne für die Rückfahrt haben. Einige müssen leider sehr schnell nach Hause, andere haben es gar nicht eilig und werden noch länger in der Hauptstadt bleiben.  

Die Organisatoren der Ausfahrt bedanken sich bei allen Teilnehmern für das kameradschaftliche Mitmachen und das Durchhalten trotz der extremen Hitze.

Insbesondere die vielen Porsche-Diesel-Freunde, die u. a. von der Nord- und Ostsee, aus dem Sauerland  und vom Rhein kommen, beweisen die guten Kontakte mit anderen Regionen.

Allen wird für ihr Kommen herzlichst gedankt und eine glückliche Heimkehr gewünscht.  

Weil ihnen die Potsdamer Schlösser und Gärten nicht genügt haben, sind unsere Düsseldorfer Schlepperfreunde  Gerd und Halina mit ihrem Junior noch einmal durch den Grunewald bis in die Mitte Berlins getuckert, um diesen Teil des UNESCO-Weltkulturerbes mit dem Traktor zu erobern. Siegessäule und Reichstag, klar. Aber sie haben es sogar direkt bis auf den streng verkehrsgesperrten Platz vor dem Brandenburger Tor geschafft.  Und die Berliner Polizei hat bei dieser "Freveltat" sogar alle Augen zugedrückt!

30.12.2015

 

 

 

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