Spessart 2013

PLAN B

 

 

Für unsere Ausfahrt der Region Frankfurt-Spessart hatten wir im Kalender bereits zu Jahresbeginn 2013 das letzte Wochenende im Juni  ausgewählt. Als  Start- und Zielpunkt sowie zur  Übernachtung war Marktheidenfeld im Spessart  vorgesehen. Geplant war, zwei verschiedene Strecken am Samstag und Sonntag zu fahren.

 

Schnell war im Vorfeld klar, dass sich fast alle Teilnehmer entschieden, schon am Freitag nachmittag anzureisen, um einen schönen gemeinsamen Abend im Vorfeld der eigentlichen Veranstaltung genießen zu können. So wurden dann auch die Quartiere schon längerfristig gebucht.

 

 

Gegen 18 Uhr waren auch die letzten Trailer auf dem ausgewiesenen Parkplatz ab- und die Traktoren vor den beiden Hotels aufgestellt. Später trafen wir uns im Stammtischlokal „Hotel zur schönen Aussicht“  zum Abendessen und gemütlichen Plausch. Viele bekannte Gesichter, kräftiges Händeschütteln und herzliche Umarmungen, so ist es immer wieder bei unseren Veranstaltungen. Es wurde, wie gewohnt, ein sehr gemütlicher Abend mit vielen schönen Gesprächen und Anekdoten und wir haben- wie so oft- wieder viel gelacht. Besonders erfreulich, dass diesmal der Nachwuchs sehr zahlreich vertreten war!

 

 

Der Wettergott hat sich indessen  wahrscheinlich gedacht, er müsse unsere Euphorie etwas einbremsen - und die kritischen Blicke auf die Wetterkarte machten schon Freitag abend klar,  dass es Samstag morgen von oben wohl heftig nass werden würde. Eine prognostizierte Regenwahrscheinlichkeit von 85% bescherte unserem Vormann Wolfgang nicht wirklich eine ruhige Nacht.

 

Die Blicke aus dem Fenster  beim Frühstück am Samstag morgen bestätigten dann auch das Befürchtete: Der Himmel war dunkelgrau und es regnete in Bindfäden. Keine Aussicht auf kurzfristige Besserung und wenig Lust, bei diesem Wetter auf dem Traktor zu sitzen, riefen nach einem Alternativ-Plan .

 

Da klingelte das Handy und Wolfgang meldete sich. Er hatte ihn – den Plan B - und auch noch einen richtig guten!

 

Das Treffen erfolgte, wie vorgesehen, um 10:00 Uhr am Parkplatz - aber nicht mit Traktor, sondern mit unseren Autos. Nur der unerschrockene Falk kam eine Stunde lang im strömenden Regen aus Wertheim auf seinem Junior angetuckert. Die 21 Teilnehmer wurden in 6 Fahrzeuge verteilt und schon bogen wir - wie auch ursprünglich mit den Traktoren geplant - ins Hafenlohrtal ein und rollten gemütlich durch Wald und Grün über Einsiedel nach Lichtenau. Manch einer sah sich beim Anblick des Dauerregens im Geiste auf dem Traktor sitzen und schauderte ob des Gedankens an das unangenehme Gefühl des oben in den Kragen hinein und unten an den Schuhen wieder herauslaufenden Regenwassers. Wie herrlich, jetzt aus dem trockenen Auto heraus zu schauen und nicht von oben durch und durch gegossen zu werden! Darin waren wir uns später auch alle einig: Das hätte niemand wirklich gebraucht. Immerhin  waren auch mit unseren Schleppern markengleiche  PKW dabei und andere Fahrzeuge zumindest rot!

 

Nach einer Stunde Regenfahrt endete die Tour zunächst am schönen Wasserschloss in Mespelbrunn. Die Regenjacken angezogen und die Schirme aufgespannt  ging es mit guter Stimmung die wenigen Meter zu Fuß bergan zum Wasserschloss. Zunächst dann das obligatorische Gruppenbild mit Schirm und Regen, aber jeder Menge Humor!

 

Die etwa 40 minütige Führung durch das bereits um 1427 erbaute und danach stetig erweiterte Schloss  war interessant und kurzweilig. Das  Anwesen ist an allen Seiten von Wasser umschlossen, worin sich  auch Tausende von Regenbogenforellen finden, die später in den Restaurants im gesamten Spessart auf den Tellern der Fischgourmets landen.

 

Ursprünglich von Ritter Hamann Echter als „festes Haus mit Mauern und Türmen  am Weiher erbaut“,  wurde das Gemäuer  im Laufe der späteren Jahre von einer Wasserburg zu einem Renaissance-Schloss verwandelt. Im Jahre 1648  verband sich die Linie der Echters mit den späteren Grafen von Ingelheim, weshalb noch heute die Familie den Namen „Grafen zu Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn“ trägt.

 

Das Schloss wurde kurz nach dem 2. Weltkrieg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wird neben Führungen auch für besondere Anlässe wie Hochzeiten, Galadinners und Konzerte genutzt. Der Südflügel wird von der Familie des 2006 verstorbenen Grafen Albrecht zu Ingelheim bewohnt, die auch den 1000 Hektar großen, zum Schloss gehörigen Forst  bewirtschaftet.

 

Etwa eine Stunde später hatte der Regen aufgehört und trockenen Fußes ging es zurück zu den Fahrzeugen. Etwa 30 Minuten dauerte die Rückfahrt zurück nach Lichtenau zum „Gasthaus im Hochspessart“.

 

Nach ausgiebiger Mittagsrast starteten wir später über Einsiedel, Rothenfels und Hafenlohr  zurück nach Marktheidenfeld. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, und die Sonne lugte mehr und mehr hervor. Einen kleinen Abstecher legten wir noch  bei unserem Mitglied Walter ein, der uns spontan  zu einer Besichtigung  seiner Oldtimer- Schätzchen einlud.   

 

Als wir uns dann später zur Kaffeetafel niederließen, war vom tristen Vormittag nichts  mehr zu sehen und die Stimmung noch besser als schon am Morgen!

 

So gab es dann auch kein Halten mehr: Alles auf die Traktoren und los ging’s !  

 

Unter der ortkundigen Führung von Wolfgang drehten wir eine kleine, aber sehr feine Runde um Markheidenfeld- Zimmern. Herrliche Landschaft soweit das Auge reicht, ging es bergauf und bergab, über Feld und durch Wald. So waren wir denn auch alle sehr begeistert und rollten zurück in die Quartiere und hüpften noch fix unter die Dusche.

 

Einen kleinen Wermutstropfen hatte die Fahrt aber doch:  Einem sehr seltenen Junior- Allrad (originaler Umbau durch Fa. Lechner in Traunstein), stand die Jungfernfahrt bevor-  und leider schon nach wenigen Kilometern zeigte sich die angetriebene Vorderachse sehr bockig. Um möglicherweise größeren Schaden zu vermeiden, wurde der Traktor sicherheitshalber auf seinen Trailer verladen und auf dem Hotelparkplatz abgestellt. Sonntags sollte er gleich zurück in seine Heimat Fulda transportiert werden, denn sein Besitzer wollte im technischen OP sogleich die Ursache für die Traktor- Unpässlichkeit erforschen.

 

Der Abend klang aber wie gewohnt wieder bei gutem Essen und lustiger Stimmung im Nebenraum des Hotels zur schönen Aussicht aus. Sogar  Comedy- Einlagen waren dieses Mal dabei:

 

Der immer wieder aufkeimende  „Schlagabtausch“ zwischen Mosel und Untertaunus;  Klaus und Dieter sorgten mit ihren Dialogen immer wieder für herzhafte Lacher. Wie das so ist- auch hier zwei große Jungs, die sich über Porsche-Traktoren kennen und schätzen gelernt haben.

 

 

Am Sonntag morgen war die Abfahrt am Treffpunkt für 11:00 Uhr vorgesehen; einigen „Hartnäckern“ reichte dies nicht aus, weshalb sie sich noch bei der Verabschiedung in der Nacht zu einem frühen Frühstück im Hotel Mainblick und dem Start der Traktoren um 9:00 Uhr verabredeten.

 

So tuckerten wir mit vier Schleppern, Allgaier und Porsche paritätisch gemischt in rot- grün- oranger Farbvielfalt in die noch schläfrige Umgebung von Marktheidenfeld. Durch verträumte Dörfer, Feld und Wiesenwege erkundeten wir die Gegend.

 

Pünktlich um 11:00 Uhr zur gemeinsamen Abfahrt am vereinbarten Treffpunkt erweiterte sich das Feld dann auf 11 Traktoren.

 

Gleich nach der Überquerung der neuen Mainbrücke geriet der Tross ins Stocken und musste dann letztendlich vor einer geschlossenen Schranke umkehren. Grund für den Irrtum des „Leithammels“ war ein Erdbeerbauer, der mit seinem großen Hinweisschild auf sein Erntefeld und den Feldverkauf den gesuchten Wegweiser rechts ab nach Marienbrunn verdeckte. Halb so schlimm, wir haben es ihm verziehen- denn die süßen roten Früchte sind nun mal fast genauso begehrt wie unsere Traktoren…

 

Zunächst durch den Wald steil bergan, führte uns die pfiffig ausgetüftelte Route über Nebenstrecken und Wirtschaftswege  vorbei am Golfclub Main-Spessart nach Schollbrunn / Hasloch.

 

Nach weiteren 2 km durch den Wald erreichten wir die Kartause Grünau. Auf der Wiese über dem Parkplatz wurden die Traktoren als Blickfang für alle Besucher aufreiht und anschließend auch vielfach bestaunt.

 

Der Torbogen sowie Teile der Umfassungsmauer und der Kirche gehen zurück auf das 1281 erstmals urkundlich erwähnte Kartäuserkloster Grünau; die Gebäude mit dem heutigen Wohn- und Gasthaus stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der Sage nach soll das Kloster an der Stelle erbaut worden sein, an der die Gräfin Elisabeth zu Hohenlohe ihren Gemahl auf der Jagd getötet haben soll.

 

Unser Organisator Wolfgang hatte wieder einmal mehr  an alles gedacht:

 

Ein ausreichend großer Tisch für die 16 Traktoristen war inmitten des Biergartens an einem schattigen Plätzchen rechtzeitig reserviert worden – und obwohl der Biergarten gut besucht und Bänke und Stühle bis auf den letzten Platz belegt waren, konnten wir uns gemütlich niederlassen. Aus reichhaltiger Karte bestellten wir individuell unser Mittagessen und die Bedienungen tischten zügig auf.

 

Bei stahlblauem Himmel genossen wir bei einem abschließenden Cappuccino die wärmenden Sonnenstrahlen, bevor wir wieder die Traktorkissen erklommen und die Motoren zur Rückfahrt starteten.

 

Gegen 15:00 Uhr trafen wir wieder an unserem Parkplatz ein und die große Verabschiedung begann.

 

Alle waren wir uns einig: schöner hätte es gar nicht sein können und der Plan B für den verregneten Samstag morgen war ein voller Erfolg!

 

 

Nicht nur die roten Traktoren sollen immer im Vordergrund stehen; was zählt, ist die Gemeinsamkeit, der Spaß und auch die Entdeckung von neuem. Vielleicht ist das der Grund, warum wir immer wieder so gerne zusammen sind.

 

Zum Abschluss unser aller Dank an die Organisatoren Walter und  Wolfgang  mit  Familie für die tolle Organisation und alle Fürsorge! Wir sind schon mal gespannt, was die Planungen der Region Frankfurt-Spessart im Jahr 2014 so enthüllen werden…

 

 

 

                                                                                                                                                                           

 

Jan Holighaus

 

 

 

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